Sanierung der Wehranlage Erlmühle mit Borstenfischpass
an der Moosach in Freising

Übersichtslageplan
Ausgangssituation:
Die Wehranlage Erlmühle an der Moosach in Freising war baufällig, die beweglichen Teile des Wehres nicht mehr bedienbar und die Ufermauern am Marzlinger Fußweg einsturzgefährdet. Eine Sanierung der Wehranlage konnte daher nicht mehr aufgeschoben werden.

Wehranlage vor Baubeginn
Der Aufstau der Moosach musste an dieser Stelle bestehen bleiben, da sich im Bereich des Oberwassers der Stauanlage der Grundwasserhorizont den bestehenden Verhältnissen angepasst hat. Durch Absenkung des Staues und somit des örtlichen Grundwasserspiegels kann es zu Schäden an den Gründungen der anliegenden Bebauung kommen. Außerdem ist hier die Regelung des Wasserspiegels an der Anlage notwendig, um bei großen Abflussmengen in der Moosach die Hochwassergefahr für die Anlieger und Oberlieger zu begrenzen.
Da es sich bei der Sanierung um eine angeordnete Unterhaltungsmaßnahme gehandelt hat, war es das Ziel, Form und Funktion der alten Wehranlage beizubehalten.
Die Wehranlage:
Die Anlage besteht aus zwei Schützwehrfeldern sowie einem sich daran anschließenden festen Wehrteil.

Schützen vor Baubeginn
Die vorhandenen Reste des alten Triebwerkes wurden rückgebaut.

Ausbau der alten Turbine

Bagger im Einsatz

Baubetrieb

Spundwände im Wehrkörper

Tosbecken im Bau

Wehrkörper im Bau
Der Borstenfischpass:
Anstelle des Turbinenhauses wurde ein Borstenfischpass errichtet. Dieser gewährleistet jetzt, dass die Moosach hier wieder für alle Wasserlebewesen durchgängig passierbar ist.

Borstenelemente im Trockenen

Borstenfischpass im Betrieb
Diese Idee ist prinzipiell nicht neu, neu hingegen ist deren moderne Ausführung, welche auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Fischökologie und Fischbiologie beruht.
Um die biologische Durchgängigkeit an der Wehranlage Erlmühle mit ihren beengten Platzverhältnissen wieder herzustellen, hat die Flussmeisterstelle Freising des Wasserwirtschaftsamtes München eine Fischaufstiegshilfe in die Reste des ehemaligen Kraftwerkes eingebaut. Hierbei hat das Prinzip des „Borsten-Fischpasses“ Anwendung gefunden. Der große Vorteil eines „Borsten-Fischpasses“ gegenüber herkömmlichen Aufstiegshilfen wie z.B. Vertical Slot Pass besteht darin, dass aufgrund der Bauweise entstehende Turbulenzen in den Borsten so abgefedert werden, dass es lediglich zur Ausbildung kleiner Wirbel kommt. Das Resultat ist ein Vibrieren der Borsten, welches eine regelmäßige Bewegung der Wasseroberfläche hervorruft und damit zu einem Eintrag von Sauerstoff führt. Gleichzeitig ergeben sich durch diesen Umstand nur sehr geringe Strömungsgeschwindigkeiten im Gerinne. Vor allem hinter den Borstenelementen können sich die Fische nahezu ohne Anstrengungen aufhalten und ausruhen. Auch kleineren Fischen und Wasserorganismen wird hierdurch der Auf- bzw. Abstieg oder Aufenthalt im Gerinne ermöglicht. Die Gerinnesohle ist als Kieslückensystem gestaltet.
Im Normalfall wird ein Abfluss von etwa 355 l/s über den Borstenfischpass geleitet.
Situation heute:
Die restlichen Teile der Wehranlage sowie die rechte Ufermauer wurden komplett saniert, so dass sie dem derzeitigen Stand der Technik entsprechen und wieder eine ordnungsgemäße Bedienung im Hochwasserfall möglich ist.

Wehranlage nach dem Umbau

Schützen nach dem Umbau
Bauzeit, Kosten und laufende Unterhaltung:
Die Sanierung fand von September 2008 bis Mai 2009 statt.
Inklusive Ingenieurleistungen und sonstiger Nebenkosten beliefen sich die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme auf rund 440.000 Euro. Die Kosten teilten sich der Bezirk Oberbayern, die Stadt Freising sowie der Freistaat Bayern.
Für die Unterhaltung der Wehranlage und die Steuerung im Hochwasserfall ist die Stadt Freising zuständig. Das Wasserwirtschaftsamt München kümmert sich um den Borstenfischpass.
