Wasserwirtschaftsamt
München

Renaturierung - ein Neuanfang

Gewässerschutz und Wasserbau:

Manche Gewässer wurden in der Vergangenheit so stark verändert, dass durch Gewässerentwicklung allein keine Verbesserung zu erreichen ist. So wurden beispielsweise kleine Gewässer über längere Strecken komplett in Rohrleitungen verlegt oder Sohle und Ufer gepflastert. Von einer Renaturierung eines Gewässers spricht man dann, wenn ein solches naturfernes Gewässer wieder in einen naturnäheren Zustand zurückgeführt wird. Dazu sind meist größere Baumaßnahmen erforderlich.

Der Beuerbach im Landkreis Landsberg a. Lech als begradigtes Gerinne 1960 + Der Beuerbach im Landkreis Landsberg a. Lech als begradigtes Gerinne im Jahr 1960
Der Beuerbach im Landkreis Landsberg a. Lech als naturnah umgestalteter Bach + und heute als naturnaher...
Der Beuerbach im Landkreis Landsberg a. Lech als naturnah umgestalteter Bach (Luftbild) + ...mäandrierender Bach

Erwerb und Nutzung von Ufergrundstücken

Voraussetzung für die Renaturierung eines Gewässers sind ausreichend breite Ufergrundstücke. Naturbelassene Uferstreifen schützen das Gewässer vor Schad- und Nährstoffeinträgen, bieten Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und unterstützen als lineare Biotopstrukturen den Aufbau eines in Bayern angestrebten Biotopverbundsystems. Darüber hinaus geben Uferstreifen dem Gewässer wieder den notwendigen Raum für eine naturgemäße Laufentwicklung und Strukturbildung.

An den Gewässern erster und zweiter Ordnung erwirbt der Freistaat Bayern Uferstreifen. Sie bleiben nach einer Renaturierung überwiegend der natürlichen Sukzession überlassen. So können sich vielfach durch Wiederbesiedelung aus der unmittelbaren Umgebung standortgerechte Vegetationsbestände entwickeln. Wenn notwendig, wird dieser Prozess durch Pflanzungen unterstützt.

Rückbau von Ufersicherungen

In der Vergangenheit wurden viele Flüsse und Bäche zugunsten unterschiedlicher Nutzungen begradigt und ausgebaut. Vor allem die Festlegung der Fließgewässer durch Ufersicherungsmaßnahmen führte zu einem Rückgang gewässertypischer Strukturen und - durch Gewässereintiefung zu einer Absenkung der Grundwasserstände in der Aue.

Zur Gewährleistung einer möglichst freien Laufentwicklung werden heute vorhandene Uferverbauungen wieder beseitigt. Ihre Entfernung ist allerdings nur dort möglich, wo ausreichend breite Ufergrundstücke an die Gewässer grenzen und eine naturgemäße Seitenerosion toleriert werden kann. Um diese gewollte Erosion auf den vorhandenen Querschnitt zu begrenzen, werden Steinriegel als versteckte Ufersicherungen (sogenannte "schlafende Sicherungen") in den Vorländern eingebaut. Erreicht die Erosion diese eingegrabene (und daher nicht sichtbare) Sicherung, bildet der freigelegte Steinriegel eine natürliche Sicherung.
Nach der "Entfesselung" können sich natürliche Sohl- und Uferstrukturen und somit artenreiche Fließgewässerlebensräume wieder entwickeln. Ein vielfältig strukturiertes Gewässer stabilisiert darüber hinaus die Gewässersohle und wirkt aufgrund der hohen Bettrauhigkeit abflussverzögernd. Damit wird auch ein Beitrag zum vorbeugenden Hochwasserschutz geleistet.

Abflachen der Uferbereiche und Aufweiten des Mittelwasserbettes

Zusätzlich zu dem Rückbau von Ufersicherungen werden die Uferbereiche nach Möglichkeit abgeflacht. Damit wird zum einen die Quervernetzung von Gewässer und angrenzenden Uferstreifen verbessert, zum anderen wird der für das Ökosystem der Gewässer wichtige Bereich der Wasserwechselzonen vergrößert. In Folge können die Bewohner dieser Wasserwechselzonen, die gleichermaßen auf Flachwasserbereiche im Gewässer und Gewässernahe Uferbereiche angewiesen sind, einfacher zwischen diesen Bereichen wechseln.
Ergänzend dazu wird durch Abtragen von Erdreich in den Vorländern das Mittelwasserbett verbreitert. Die für das Gewässer- und Ökosystem wichtigen Flachwasserbereiche vergrößern sich damit, die Fließstrukturen werden vielfältiger und Flachwasserbereiche sowie Bereiche mit stehendem Wasser entstehen.
Die Verzahnung der terrestrischen und aquatischen Bereiche einschließlich der Wasserwechselzonen wird damit deutlich verbessert, die positiven Auswirkungen auf das Gesamtökosystem Gewässer sind schon nach kurzer Zeit sichtbar.

Sanierung von Altwässern

An vielen größeren Fließgewässern in Bayern findet man noch so genannte Altwässer. Sie können sowohl durch natürliche Laufverlagerung - beim Durchbrechen von Mäandern - oder künstlich bei der Begradigung im Rahmen eines Gewässerausbaus entstanden sein. Viele dieser Altwässer sind teilverfüllt und durch verschiedene Nutzungseinflüsse beeinträchtigt. Sie bieten jedoch im Rahmen einer Renaturierung sehr gute Möglichkeit für eine Strukturverbesserung. Bei der Reaktivierung alter Flussmäander (Laufverlängerung) oder der Wiederanbindung von Altwässern entsteht eine Vielzahl neuer Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Wiederangebundene Flussschleife an der Sempt + Wiederangebundene Flussschleife an der Sempt

Umbau von Querbauwerken

Unsere Fließgewässer sind heute durch eine Vielzahl von Querbauwerken in ihrer Längsdurchgängigkeit unterbrochen. Sohlabstürze, Wehr- und Triebwerksanlagen führen von allem in größeren Rückstaubereichen zu Schlammablagerungen, höheren Wassertemperaturen und geringeren Sauerstoffkonzentrationen. Durch die veränderten Standortbedingungen entwickeln sich in der Folge gegenüber frei fließenden Gewässern erheblich abweichende Lebensgemeinschaften. Darüber hinaus sind viele Querbauwerke für Fische und andere Gewässerorganismen nicht durchgängig. Die Umgestaltungsmöglichkeiten für Querbauwerke finden Sie im Kapitel Durchgängigkeit.